Die Himmelssäule

schauspiel: marcelo miguel
regie: daniel wahl



Seit Jahren immer das gleiche: Essen, Schlafen, Arbeiten und hin und wieder Momente des Vergnügens. Oder auch umgedreht: Schlafen, Arbeiten, Essen und nicht einmal Momente des Vergnügens. Die Lebensroutine des alleine lebenden Golja gleicht der eines jeden Bürgers der Stadt. Der Alltag kreist tagein tagaus behäbig über seiner schüchternen Gestalt und befiehlt seine Schritte, seine Taten, seine Worte.

Doch in seinen Gedanken- und Gefühlswelten, im tiefsten Innern, da stößt er eines Tages auf eine verloren geglaubte Verbindung zu seiner Kindheit. Besonders in Augenblicken der Einsamkeit wird Golja von seiner eigenen Kindheit erfasst. Mit schwindelerregender Intensität drängt sie in seinen Alltag hinein. Ist es nur das Alter, vielleicht schleichende Senilität? Oder eine Form von Wahnsinn?


Das Theater Instrumental erforscht in seinem neuen Produktionsprozess zu dem konzipierten Solostück Die Himmelssäule die Welt der gedanklichen und körperlichen Kindheitserinnerungen. Durch theatralische, musikalische und physische Recherchen nähern wir uns einer inneren Spur, welche die Kindheit in jedem erwachsenen Menschen hinterlässt. Was vom früheren Kind bleibt in uns? Wann taucht das Kind in uns auf? Wie viel davon dürfen wir im Alltag preisgeben?

Um unsere Forschungsarbeiten zu vertiefen, kooperieren wir erstmals mit dem Regisseur Daniel Wahl, sowie im Besonderen mit dem Forschungsinstitut Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) der Universität Freiburg.

Der Roman Der Doppelgänger von Fjodor Dostojewski wird uns als Inspirationsquelle für die Figurentwicklung des Solostückes dienen. Die Lebens- sowie intime Gefühlswelt und besonders die inneren Monologe des Protagonisten Goljadkins stellen dabei für uns die Leitlinie dar.